Rinchnach - Guntherort und ehem. Klosterort

Rinchnach Gunther- und ehemaliger Klosterort 
  
Rinchnach (gegründet 1011/1012),
Gunther- und ehemaliger Klosterort,
ältester Ort und historischer Herrschaftmittelpunkt des Mittleren Bayerischen Waldes

Ecclesia Rimichinaha – Propstei Rinchnach – Klousta
  
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„Das Closter oder Nidern=Altaichische Probstey Rinchnach
hat seinen Namen von dem allda durchfließenden kleinen Fluß Rinchna,
seinen Ursprung
aber nächst Gott
von dem Heiligen Gunthero,
H. Kayser Henrico sambt seiner auch H. Und Jungfräulichen Gemahlin Cunigund und endlich dem nit münder H. Godehardo, damals Abbten zu Nidern=Altaich,
dass also villeicht wenig Geistliche Stüfftungen zu finden seyn werden,
bey deren Errrichtung so vil von sonderbahrer Heiligkeit berühmbte Personen
zusammen getretten als bey dieser"

(Michael Wening,
Chur-Bayrische Land-Beschreibung, 1726)

Rinchnach verdankt seine Gründung St. Gunther (955 – 1045), einem ehemals thüringischen Hoch­adeligen, der 1005 in den Benediktinerorden eingetreten war.
Gunther kam 1011 als Einsiedler in die Rinchnacher Gegend und verbrachte den lebensbedrohend strengen Winter 1011/1012 der Überlieferung nach in einer Klause beim heutigen Frauenbrünnl (2 km östlich von Rinchnach).
  
1012 baute Gunther schließlich zusammen mit Mönchen aus Niederaltaich ein kleines Rodungskloster auf, dessen erste Anlage mit der Weihe der Kirche 1019 abgeschlossen gewesen sein dürfte. Zunächst war Rinchnach ein eigenständiges Reichskloster. Dies war dann Lebens- und Wirkmittelpunkt Gunthers bis 1040.

1040 erließ König Heinrich III. auf Bitten Gunthers eine Urkunde, die die Übergabe des Klosters Rinchnach an das Kloster Niederaltaich besiegelte. So stellte Gunther vor seinem Abschied aus Rinchnach den Fortbestand seiner Gründung als Propstei ("Nebenkloster") Niederaltaichs sicher.

Nach dem Weggang aus Rinchnach lebte Gunther wieder als Einsiedler in  einer Eremitenzelle rund eine Tagesstrecke nördlich von Rinchnach beim heutigen Gutwasser (Dobra Voda/Hartmanice/Tschechien). Dort starb er am 9. Oktober 1045.

 
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Deckenfresko,
Pfarrkirche Rinchnach, um 1730
  
Der Name des Ortes Rinchnach wie auch die Namen der umliegenden Dörfer, Nachbarorte, Berg-, Fluss-, Landschaftsnamen usw. haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Dies ist aus alten Urkunden, Landkarten usw. ersichtlich.
Wolf-Armin Frh. von Reitzenstein führt im Lexikon bayerischer Ortsnamen folgende Auflistung für Rinchnach auf: 
  
Während der Flussname
1029 als Rimminaha bezeugt ist,
findet sich der Siedlungsname
1040 als Rimichinaha,
1148 als Rumchenahe,
1249 (Druck von 1620) als Rinichna,
1254 als Rimchna ,
1277 als Rimichna,
1295 als Rimchnach  und bald nach
1301 als Rinchnach belegt.

Grundwort des ursprünglichen Gewässernamens
ist aha<Wasserlauf, Fluss,
als Bestimmungswort kann
der Personenname Rimicho erschlossen werden.

(aus: Wolf-Armin Frh. von Reitzenstein,
Lexikon bayerischer Ortsnamen, C. H. Beck, 2006)
 
  

Der Bach "Rinchnach", die "Rinchnach", wird im Volksmund heute noch "d'Rinicha" genannt. Die Quelle des Baches liegt nahe des Wagensonnriegels beim Ende der Forststraße, die von der Siedlung "Kirchdorfer Waldhaus" Richtung Wagensonnriegel führt. Die Rinchnach suchte sich ein Bachbett, das zunächst nach Zimmerau führt.

Anschließend schlängelt sich der Bach in einem Tal zwischen dem Gehmannsberger und Klessinger Bergerl hindurch, durchschneidet dann in südlicher Richtung die breite Wiesenlandschaft zwischen den Gehmannsberger und Klessinger Fluren und wendet sich schließlich an Fuße des Probstberg-Waldes westlich durch die Rinchnacher Langwiesen Rinchnach zu. Südlich des ehemaligen Kloster - bzw. des heutigen "Bräu-Hofes" fließt der Bach an Rinchnach vorbei und mündet schließlich an die aus Richtung Kirchberg kommende Rinchnach Ohe.